09. Mai. 2022

"Wir wollen unsere Nachwuchsarbeit stetig weiterentwickeln!"

Seit rund 20 Jahren ist der 52-Jährige bei der WSG Tirol aktiv, seit neun Jahren leitet er die Nachwuchsabteilung in Wattens. Im Interview spricht Robert Tomsche über das, was für ihn Erfolg bedeutet und warum er sich für die WSG Europa wünscht.

Robert, die Profis der WSG Tirol haben mit dem 4:0-Sieg über den LASK zuletzt den Klassenerhalt in der Bundesliga fixiert. Wie wichtig ist dieser Verbleib in der höchsten Spielklasse aus Sicht des Nachwuchsleiters?

Wenn die erste Mannschaft in der Bundesliga spielt, ist die Perspektive für den Nachwuchs natürlich eine andere, als wenn wir in der Regionalliga oder zweiten Bundesliga spielen würden. Von dem her ist der Klassenerhalt ein extrem wichtiges Signal für unsere Jugendlichen. Ich denke, es ist für alle im Verein enorm wichtig, von Diana (Anm.: Präsidentin Diana Langes) angefangen, über die Damen- und Herrenteams bis hin zu denen, die uns Woche für Woche unterstützen. Schließlich geht’s da nicht nur um den sportlichen Erfolg der Profis, sondern auch um Arbeitsplätze – und für uns darum, dass wir im Nachwuchs kontinuierlich den eingeschlagenen Weg fortsetzen können.     


Im vergangenen Jahr konnten sich mit Denis Tomic und Stefan Skrbo zwei Spieler aus dem eigenen Stall bei den Profis behaupten. Wie zufrieden bist du mit der Performance der einzelnen Nachwuchsklassen?

Felix Kerber darf man in diesem Aufwasch auch nicht vergessen. Oder David Jaunegg, der sein erstes Profijahr bei den Juniors OÖ erlebt. Oder unser U16 Trainer Manuel Ludwiger, der in den Trainerstab der Profis aufgenommen wurde. Und da gibt es noch unsere beiden Lauras, die es in die Damen Bundesliga geschafft haben: Laura Wurzer zu Austria Wien und Laura Gutensohn zu Wacker Innsbruck. Viele individuelle Highlights, aber auch in den Teams haben wir wieder viel weitergebracht. Wenn man sich unsere Nachwuchsstruktur anschaut, dann lässt sich eine Dreiteilung erkennen. Bei den Jüngsten (KIDS bis U8) haben wir ein breites Angebot an Bewegung und Basisausbildung, in dem jeder Platz findet und sich versuchen kann. In der Mitte, also von der U9 bis zur U13, haben wir unser Grundlagenzentrum, wo wir schauen, was bei den einzelnen Spielern und Spielerinnen möglich ist. Ab der U14 fängt der Leistungsbereich an – also jener Bereich, in dem wir darauf achten, dass die Pyramide spitz wird. Da müssen die Jugendlichen dann schon an ihre Leistungsgrenze gehen. Wir sind sehr breit aufgestellt. Wir haben bis zur U14 jede Altersklasse einmal besetzt, in der U16 sogar doppelt. Und dann gibt’s noch die KM3 als U18-Mannschaft, die an der Meisterschaft in der 1. Klasse teilnimmt. Und wir haben seit Jahren ein hervorragendes und engagiertes Trainerteam, auf das wir besonders stolz sind - ohne ihren täglichen Einsatz wäre diese Performance und stetige Entwicklung nicht möglich. 


Haben Späteinsteiger heutzutage noch eine Chance?

Sag niemals nie - wir haben immer wieder Spieler, die erst später zum Fußball finden. Die waren vorher beispielsweise in der Leichtathletik oder beim Turnen, bringen hervorragende koordinative Fähigkeiten und eine enorme Grundschnelligkeit mit. Natürlich haben die zu Beginn Defizite am Ball, lernen aber schnell und schlagen dann vielleicht brutal ein. Dafür gibt’s einige Beispiele. Sich nur auf fußballorientierte Talente zu konzentrieren, reicht nicht. Es wäre fahrlässig, es hier zumindest nicht zu versuchen. 


Ab welchem Alter macht es Sinn, in Tirol aktives Scouting zu betreiben?

Wir lotsen generell keine Spieler aktiv nach Wattens. Wir wollen uns als Verein so präsentieren, dass ein guter Spieler von sich aus zu uns kommen will. Nicht jeder hat die Möglichkeit, den Talente-Weg des TFV zu gehen. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Das Potenzial wäre aber da. Unser Ziel ist es, zusätzlich zum Tiroler Fußballverband, wo im Zuge der Talente-Schienen die Besten spielen sollten, eine Art zweiten Bildungsweg anzubieten. Einen wie ihn Christian Gebauer genommen hat. Er hat nie in einer Akademie gespielt, es am Ende aber in die deutsche Bundesliga geschafft. Unser Job ist es, das Spektrum möglichst lange breit zu halten und solange als möglich hinzuschauen.  


Bis zur U12 gibt es keine Tabellen mehr. Wie lässt sich Erfolg da messen?

Wir sind dann erfolgreich, wenn wir die Kinder und Jugendlichen von Training zu Training weiterbringen, rauf auf den nächsten Leistungslevel hieven und gemeinsam mit ihnen das individuelle Maximum rauskitzeln, um zu sehen, wohin die Reise gehen kann. Erfolg ist aber immer relativ. Wir messen ihn nicht daran, ob wir im Nachwuchs Tiroler Meistertitel holen oder nicht. Das ist eine schöne Momentaufnahme, sagt aber nichts über einen langfristigen und nachhaltigen Weg aus. Unser Ziel ist es, dass unser Nachwuchs bestmöglich auf den Erwachsenenfußball vorbereitet wird - und jene mit den größten individuellen Leistungsvoraussetzungen und Willen über die Talente-Schienen oder über die WSG Next Generation es vielleicht sogar bis zum Profi schaffen. 


Dort, wo es Tabellen gibt, spielt der Punktestand aber schon eine Rolle, oder?

Natürlich. Für die U14 und U16, die sich zurzeit in den Meister-Playoffs befinden und die KM3 sind Punkte und Siege neben der individuellen und teamorientierten Entwicklung ein wichtiger Feedback-Faktor. Die U14 und U16 spielen in ihren Gruppen um den Tiroler Meister - die U14 ist mit vier Siegen in den ersten vier Spielen erfolgreich in die Gruppe gestartet und im U16-Bewerb haben wir es sogar mit beiden Mannschaften ins Playoff geschafft und schon ordentlich gepunktet – das hat es meines Wissens noch nie gegeben. Und die KM3 hat zuletzt einen weiteren großen Schritt in Richtung Bezirksliga gemacht. Die KM3 ist ja unsere letzte Ausbildungsmannschaft und da sollen sich die Jungs ein bis zwei Jahre im Erwachsenenfußball akklimatisieren, bis sie den nächsten Schritt zu den Amateuren in die Regionalliga machen.     

        

Was sind die Highlights der laufenden Saison?

Einerseits die Leistungen der drei genannten Altersklassen, andererseits die tolle Ausbildungsarbeit und Trainingsbeteiligung im Bereich der jüngeren Teams. Die war angesichts der Pandemie nämlich sensationell. Unsere Trainer haben einen wichtigen Teil dazu beigetragen, in dem sie alternative Wege angeboten haben, mit Online-Training und dergleichen. Die Jungs und Mädels sind da sehr gut mitgezogen. Das alles ist ja die Basis-Arbeit für die zukünftigen Spieler und Spielerinnen im Leistungsbereich. Da bin ich schon mächtig stolz auf unsere Gemeinschaft. 


Du leitest seit neun Jahren die Nachwuchsabteilung der WSG. Hat man da noch Ziele?

Natürlich, wenn ich keine mehr hätte, wäre ich fehl am Platz. Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein! Am wichtigsten ist mir die stetige Weiterentwicklung - und das Betrifft den gesamten Verein, unsere Strukturen in der Next Generation, die Trainer, unsere Spieler und Spielerinnen und auch die Eltern. Gemeinsam wollen wir da einen erfolgreichen Weg gestalten. Obwohl wir Bundesligist sind, verfügen wir über keine eigenen Akademiemannschaften, weil in Tirol der Verband diese stellt. Da haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit. Aber wir arbeiten auch daran, dass, falls es einmal die Möglichkeit einer zweiten Akademiemannschaft in Tirol geben sollte, wir die erste Anlaufstelle sind. In der Bundesliga gibt es Diskussionen, auf diesem Weg mehr Breite zu erreichen. In Tirol selbst ist es mir wichtig, dass wir Hand in Hand mit dem Tiroler Fußballverband gehen, alternative Möglichkeiten diskutieren und dann gemeinsam umzusetzen, was Sinn macht und möglich ist. In Salzburg wird z.B. über die gesamte Saison in Leistungsgruppen gespielt. Das würden wir uns in Tirol ab der U13/14 auch wünschen, um die Anforderungen in den Meisterschaften das ganze Jahr über hoch zu halten. Es gibt in Tirol genug Vereine, die seit Jahren im Nachwuchs leistungsorientiert arbeiten. Der Breitensport profitiert auch davon, da die Überforderung und damit verbunden negative Erlebnisse verringert werden und der Spaßfaktor erhöht wird. 


Wenn du drei Wünsche frei hättest: wie würden sie lauten?

Mein erster Wunsch ist einer, den wohl alle haben – dass wir gesund bleiben und Pandemie bzw. Krieg ein rasches Ende finden. Frieden und Gesundheit sind einfach das größte Gut unserer Gesellschaft. Der zweite Wunsch wäre, dass wir als WSG von der Region so wahrgenommen werden, wie wir uns das seit Jahren wünschen: Als starker Partner, der eng mit allen kooperieren will. Wir wollen als Bundesligist die Spitze der Leistungspyramide bilden, ohne das auf Kosten der anderen machen zu wollen oder zu müssen. Es sollte Ziel sein, dass leistungsstarke Fußballer und Fußballerinnen bei der WSG zusammenkommen und die Qualität und Anforderung in Training und Spiel dadurch hochgehalten werden kann. Gute Spieler können sich nur in einem starken Leistungsumfeld weiterentwickeln. Der FC Südtirol, der heuer den Aufstieg in die Serie B geschafft hat, lebt es uns vor. In Südtirol ist jeder Verein stolz, wenn eines seiner Kinder den Sprung zum FC Südtirol schafft. Wenn wir das in unserer Region frei von Emotionen erreichen könnten, wäre es schön. Am Ende soll es ein gemeinsamer Weg für die Kinder und Jugendlichen in der Region sein! Und mein dritter Wunsch ist nach den letzten drei Bundesligaspielen entstanden, vor allem nach dem LASK-Spiel: Dass sich die WSG für Europa qualifiziert. Das hätten sich alle im Verein verdient. Der Klassenerhalt ist schon mal super, auf den wir stolz sein können. Wenn ich aber noch einen Wunsch frei habe, dann gewinnen wir das untere Playoff und haben dann zwei geile Spiele, um uns für Europa zu qualifizieren. Das wäre eine echte Sensation!

Fotonachweis: Hagleitner | WSG Tirol

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