28. Aug. 2021

Land unter am Wörthersee

Sechstes Spiel, erste Niederlage. Zuerst ein Wolkenbruch, dann die Führung. Am Ende gingen die Jungs von Thomas Silberberger zum ersten Mal in diesem Spieljahr in der Liga baden.

Die Buchmacher ließen vor dem Spiel die Favoritenrolle offen. Ein Sieg der Heimmannschaft wurde bei Ligasponsor ADMIRAL mit einer 2,3-Quote notiert, für einen Sieg der Gäste lautete die Quote 2,8. Dafür wurde das Unentschieden mit 3,8 notiert. Wenig überraschend, zumal der Tabellensiebte auf den Tabellenneunten traf – beide mit fünf Punkten im Gepäck. Und sich die Gäste aus Wattens, die laut Statistik hinsichtlich Passgenauigkeit die Nummer 3 der Liga sind und hinsichtlich Pressing die Nummer vier, in den ersten fünf Bundesligarunden als Remis-Kaiser einen Namen machten. Ohne Niederlage, aber auch ohne Sieg. Der erste sollte nun im Wörthersee-Stadion fixiert werden. Austria Klagenfurt hingegen wollte seinen zweiten Dreier im sechsten Spiel. Zwei Teams, ein Ziel - dementsprechend ging es von Beginn an zur Sache.


Wetterkapriolen in Klagenfurt
Die WSG, bei der Thomas Sabitzer verletzungsbedingt passen musste und von Valentino Müller vertreten wurde, mit gewohnt viel Spielanteilen und mit der ersten Chance. Der Halbvolley vom schussgewaltigen Thanos Petsos nach einem Eckball von Bror Blume ging allerdings weit über das Tor.
Nur zwei Minuten später folgte der erste Aufreger der Partie: Austria Klagenfurt, bekannt und gefürchtet für schnelles Umschaltspiel, schaltete blitzschnell auf Markus Pink, der sich rustikal gegen Raffael Behounek behauptete und ideal für Tim Maciejeski vorlegte. Der 21-jährige Deutsche musste die Kugel nur noch über die Linie drücken. Sein erster Treffer in der ADMIRAL-Bundesliga, der aber einen Pfiff und eine VAR-Bestätigung später nicht zählte, weil Pink beim Zuspiel knapp im Abseits stand. Ein annulliertes Tor, auf das im Wörthersee-Stadion Untergangsstimmung folgte: Sonne, Regel, Hagel – alles zur gleichen Zeit. Für Wetterfetischisten ein Festtag, für Fußballer der blanke Horror. Der offensichtlich bei den Kärntnern für mehr Gänsehaut sorgte als bei den Tirolern. In Minute 18 lief Tobias Anselm nach einem fatalen Fehlpass von Turgay Gemicibasi alleine auf den Torhüter der Klagenfurter zu und vergab – entweder machte Phillip Menzel alles oder richtig oder der Stürmer der WSG einiges falsch. Ansichtssache. Nicht die erste hochprozentige Chance, die die Wattener Offensivabteilung in den letzten Wochen liegenließ. Die mangelhafte Chancenauswertung war bislang auch mit Grund, warum in den fünf Bundesligarunden zuvor noch kein Sieg eingefahren werden konnte.


100 Minuten Unterbrechung
Zwei Minuten danach hatte Schiedsrichter Josef Spurny genug vom Wetter und unterbrach die Partie – vorerst für eine ganze Stunde, nach der er die Spieler, die zwischenzeitlich im Spielertunnel warteten, zum neuerlichen halbstündigen Warmup auf’s Feld bat.
Nach fast 100-minütiger Unterbrechung ging’s weiter – und wenige Augenblicke später die WSG in Führung. Ein schneller Konter über Leon Klassen, der Tobias Anselm ins Loch schickte, von wo aus er Giacomo Vrioni (23.) in der Mitte ideal bediente. Das dritte Saisontor der 22-jährigen Leihgabe von Juventus Turin. Eine Führung, die den Tabellenneunten beflügelte. Wenige Wimpernschläge nach der Führung folgte die nächste Chance. Eine Traumkombination über Žan Rogelj und Vrioni landete bei Anselm, der allerdings einmal mehr an Menzel scheiterte. Und eine Minute danach mit einem Dropkick neuerlich. Die WSG war on fire, Klagenfurt unter Druck. Und im Glück. Denn abermals wenige Spielzüge nach Anselms Auftritt klatschte ein Kopfball von Raffael Behounek von der Querlatte zurück. Im Strafraum der Kärntner brannte es lichterloh.
Das Tor machte aber Klagenfurt - quasi aus dem Nichts. Ein Konter über Timossi Andersson landete bei Patrick Greil, der sein erstes Tor in der ADMIRAL-Bundesliga erzielte. So bitter kann Fußball sein - statt 2:0 für die WSG stand es 1:1. Und es kam sogar noch bitterer. Weil der Unparteiische in der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit seine eigene Entscheidung nach VAR-Überprüfung zurücknahm und nach einem Duell von Maxime Awoudja mit Greil im Strafraum auf Elfmeter entschied, bekam Turgay Gemicibasi (45.) seine Chance – und nutzte sie. Mit 2:1 für die Kärntner ging’s in die Pause.

Verkehrte Fußballwelt
Und nach dem Seitenwechsel ging es gleich turbulent weiter. Denn es waren gerade einmal fünf Minuten gespielt, da war der Aufsteiger aus Klagenfurt bereits einen Mann weniger am Feld. Weil Schlussmann Menzel Vrioni nach schönem Zuspiel von Bror Blume als letzter Mann foulte und - nach abermaliger VAR-Überprüfung - mit Rot unter die Dusche geschickt wurde. Die fünfte rote Karte für die Kärntner im sechsten Spiel. Ein nummerischer Vorteil, den die WSG nicht zu nutzen wusste. Weil bis auf einen Schuss von Fabian Koch der Kärntner Abwehrriegel hielt, stand nach verrückten 97 Spielminuten der zweite Saisonsieg des ‚Favoriten‘ fest. Und die erste Niederlage für die WSG – trotz 15:5 Torschüsse, fast 75 Prozent Ballbesitz und einer 80-prozentigen Passquote. Verkehrte Welt.   
Am kommenden Wochenende pausiert die Liga. Für die Tiroler geht es am Samstag, dem 11. September, mit dem Heimspiel gegen Serienmeister Red Bull Salzburg weiter (17 Uhr, Tivoli).                


SK Austria Klagenfurt - WSG Tirol 2:1 (2:1)
28. August 2021 | Wörthersee Stadion | Schiedsrichter Josef SPURNY
Tore: Greil (36.), Gemicibasi (45.) ; Vrioni (23.)
Rote Karte: Menzel (52./Torraub)


 Austria Klagenfurt spielte:

Phillip MENZEL; Michael BLAUENSTEINER, Thorsten MAHRER, Nicolas WIMMER; Florian JARITZ; Christopher CVETKO (90. Ivan SARAVANJA), Patrick GREIL, Turgay GEMICIBASI; Alex TIMOSSI ANDERSSON (86. Florian RIEDER), Markus PINK, Tim MACIEJEWSKI (52. Lennart MOSER).

Die WSG spielte:

Benjamin OZEGOVIC; Fabian KOCH, Raffael BEHOUNEK, Maxime AWOUDJA, Leon KLASSEN (83. Mario ANDRIC); Žan ROGELJ (72. Alexander RANACHER), Thanos PETSOS, Bror BLUME (83. Johannes NASCHBERGER), Valentino MÜLLER (72. Markus WALLNER); Giacomo VRIONI, Tobias ANSELM.

 

Stimmen zum Spiel:

Thomas Silberberger (WSG-Cheftrainer): „Ein verrückter Tag nimmt ein verrücktes Ende. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum wir heute verloren haben. Besser als wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, kann man nicht spielen. Was fehlte, waren die Tore zwei und drei. Wir hatten das Spiel zu jedem Zeitpunkt im Griff. Bis zu jenen sieben Minuten, die ich mir nicht erklären kann. Das, was ich meiner Mannschaft vorwerfen kann, ist, dass sie die Phasen des Spiels nicht erkennt. Warum muss ich unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff einen Einwurf zurück zum Tormann spielen und versuchen von Hinten aufzubauen? Wenn wir da einen langen Ball spielen, gehen wir mit 1:1 in die Halbzeit. Die rote Karte hat uns im Nachhinein wieder nicht gutgetan. Es war ein ähnliches Spiel wie letzte Woche gegen Altach, diesmal gegen eine aufopferungsvoll kämpfende Austria. Wir alles versucht, alle Seitenspieler ausgewechselt, es sogar am Ende mit drei Spitzen probiert. Im Nachhinein muss ich Austria Klagenfurt gratulieren, sie haben sich ins Spiel verbissen. Aber wir sind selbst schuld, dass wir nicht mit drei Punkten nach Hause fahren.“ 
Valentino Müller: „Ich bin sehr enttäuscht, dass wir das Spiel so unnötig aus der Hand gegeben habe – mit völlig unnötigen Fehlern. Und dass wir nicht in der Lage gewesen sind, die halbstündige Überzahl besser auszuspielen. Die Enttäuschung ist riesengroß.“

Fotonachweis: GEPA pictures

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